Ein eigenes Häkelgeschäft zu starten, ist für viele ein logischer Schritt: Du häkelst regelmäßig, bekommst positives Feedback und spielst mit dem Gedanken, deine Produkte zu verkaufen. Doch zwischen einem kreativen Hobby und einem funktionierenden Business liegen einige wichtige Entscheidungen. Wenn du dich fragst, wie du ein Häkelgeschäft startest, brauchst du mehr als nur handwerkliches Können. Themen wie Positionierung, Preisgestaltung, rechtliche Grundlagen und Vertriebskanäle spielen von Anfang an eine zentrale Rolle. Dieser Beitrag zeigt dir strukturiert, worauf es ankommt, damit aus deiner Idee ein tragfähiges Häkelgeschäft wird.
Was sollte ich beim Start meines Häkelgeschäfts beachten?
Wenn du ein Häkelgeschäft startest, brauchst du eine klare Produktidee, realistische Preise, eine rechtliche Anmeldung und einen passenden Verkaufskanal. Entscheidend ist, dass du deine Zielgruppe kennst, deine Kosten korrekt kalkulierst und dein Häkelbusiness von Anfang an als Unternehmen denkst – nicht nur als Hobby.
Wenn du zum ersten Mal als Unternehmer:in startest, bist du wahrscheinlich ein wenig überfordert von der Aussicht, deine handgefertigten Artikel zu verkaufen. Folge diesen 10 Schritten, um deinen Businessplan zu entwickeln und zusätzliches Einkommen mit deinen Häkelkünsten zu erzielen.
1. Bewerte deine Fähigkeiten
Der erste Schritt, wie du ein Häkelgeschäft startest, besteht darin, deine Häkelkünste zu bewerten. Häkelprojekte können so einfach sein wie Tischsets oder so komplex wie ein Spitzenhochzeitskleid. Suchst du nach den herausforderndsten Projekten oder bevorzugst du einfachere Designs? Wie gut kannst du Anleitungen schreiben?
Bewerte dein Fähigkeitsniveau und schätze, wie lange du für die Herstellung jedes Stücks benötigst. Diese Informationen helfen dir später beim Design und der Preisgestaltung deiner Produktlinie.
2. Führe Markt- und Zielgruppenforschung durch
Marktforschung ist der Prozess, Informationen über deine potenziellen Kund:innen und Wettbewerber:innen zu sammeln und zu analysieren. Deine Erkenntnisse werden deine Positionierung im Markt, deine Marketingstrategie, die Preisgestaltung deiner Produkte und die Art der Produkte, die du verkaufst, beeinflussen.
Du kannst Marktforschung betreiben, indem du Fachzeitschriften und Branchenberichte liest, E-Commerce-Blogs konsultierst und bestehende Häkelgeschäfte recherchierst. Du kannst auch Daten von Online-Marktplätzen nutzen, um die Leistung von Wettbewerber:innen zu bewerten – ein einzelner Etsy-Shop zeigt beispielsweise Gesamtverkäufe, durchschnittliche Kundenbewertungen und Kundenrezensionen.
Marktforschung umfasst auch die Identifizierung spezifischer Zielgruppen innerhalb deines Zielmarktes und die Erforschung ihrer Bedürfnisse, Entscheidungsfaktoren und Kaufgewohnheiten. Wenn du beispielsweise aufwendige Spitzenkleider und Schals herstellst, könnten deine Recherchen ergeben, dass die Hauptverbraucher:innen deiner Produkte Frauen im Alter von 35 bis 60 Jahren aus Mittel- und Oberschichten sind. Du kannst dann Interviews führen oder eine Fokusgruppe abhalten, um mehr über die spezifischen Bedürfnisse und Kaufmuster dieser Gruppe zu erfahren.
3. Gestalte deine Produktlinie
Der nächste Schritt besteht darin, deine erste Produktlinie von Häkelartikeln zu erstellen. Nutze deine Zielgruppen- und Marktforschung, um Produkte zu entwerfen, die den Bedürfnissen der Kund:innen entsprechen. Du kannst auch nach Lücken im Angebot der Wettbewerber:innen suchen. Wenn du beispielsweise festgestellt hast, dass Häkelkleider beliebt sind und es einen unerfüllten Bedarf an preiswerten Optionen gibt, könntest du diese Informationen nutzen, um eine Produktlinie erschwinglicher, schnell herzustellender Kleider zu kreieren, die als Strandüberwurf oder über Unterkleidern für formellere Anlässe getragen werden können.
Einige Häkelgeschäfte verkaufen auch Anleitungen. Selbst wenn du dich auf physische Produkte konzentrierst, solltest du in Betracht ziehen, mehrere Anleitungen als digitale Downloads anzubieten, um eine passive Einkommensquelle zu schaffen.
4. Entwickle deine Markenidentität
Du kannst deine Markenidentität als die einzigartige Persönlichkeit deines Unternehmens betrachten. Sie umfasst deinen Firmennamen, dein Logo, Typografie, Farbpalette sowie deinen Tone of Voice. Eine starke Markenidentität repräsentiert deine Arbeit und findet bei deinen Zielgruppen Anklang. Wenn du beispielsweise gehäkelte Babykleidung und andere Babyartikel verkaufst, könntest du helle Farben und einen verspielten Tone of Voice wählen, während du für Cottage-Core-Deckchen und Tischläufer eine nostalgischere Ästhetik bevorzugen könntest.
5. Entscheide, wo du deine Produkte verkaufen möchtest
Der nächste Schritt, wie du ein Häkelgeschäft startest, besteht darin, zu entscheiden, wo du deine Produkte anbieten möchtest. Du kannst über deinen eigenen Onlineshop auf einer E-Commerce-Plattform wie Shopify verkaufen, einen Online-Marktplatz wie Amazon Handmade oder Etsy nutzen, auf lokalen Kunsthandwerksmessen oder Märkten verkaufen oder lokale Bastelgeschäfte ansprechen, um deine gehäkelten Produkte anzubieten. Überlege dir, wo deine Zielgruppen am wahrscheinlichsten einkaufen und vergleiche die Kosten, die mit dem Verkauf an jedem Standort verbunden sind. Es kann sogar sinnvoll sein, zwei oder mehr dieser Strategien zu kombinieren.
6. Erstelle einen Marketingplan
Ein Marketingplan ist dein Fahrplan, um deine Produkte an deine Zielgruppen zu bringen. Er umfasst deine Marketingziele, die wichtigsten Verkaufsargumente und die wichtigsten Marketingkanäle. Wenn du planst, Produkte online zu verkaufen, solltest du digitale Marketingstrategien in Betracht ziehen und soziale Medien, Suchmaschinenmarketing und E-Mail-Marketing nutzen.
Du kannst diese Kanäle auch nutzen, um kostenlose Ressourcen zu verteilen, eine Strategie, die als Content-Marketing bekannt ist. Du könntest beispielsweise ein kostenloses Muster auf der Facebook-Seite deines Unternehmens posten oder regelmäßig Blogbeiträge zu Themen veröffentlichen, wie man verschiedene Häkelstücke stylt, um potenzielle Kund:innen besser mit deiner Marke vertraut zu machen.
7. Preis deiner Produkte
Die Planung deiner Finanzen ist ein wichtiger Schritt, um ein profitables Geschäft zu starten. Dazu gehört die Schätzung deiner Ausgaben und das Festlegen von Preisen für deine Produkte.
Zu den Ausgaben können Gebühren für Genehmigungen, Ausrüstung, Verpackung, Marktplatzgebühren oder eine Vielzahl anderer wiederkehrender Kosten gehören.
Berechne als Nächstes die direkten Kosten, die mit der Erfüllung einer Bestellung verbunden sind. Angenommen, Wolle, Verpackung und Versand summieren sich auf 10 € pro Bestellung. Berücksichtige deine Arbeitszeit und setze dir einen fairen Lohn, sagen wir 20 € pro Stunde. Wenn ein Produkt fünf Stunden in Anspruch nimmt, betragen die Arbeitskosten 100 € und die Gesamtkosten für dein Unternehmen 110 € pro Artikel.
Berücksichtige als Nächstes deine Gemeinkosten und Startkosten. Wenn du mit 10 Verkäufen pro Monat rechnest und deine monatlichen Gemeinkosten 200 € betragen, liegen deine Gemeinkosten durchschnittlich bei 20 € pro Produkt, was die Gesamtkosten für dein Unternehmen auf 130 € pro Artikel bringt, wenn man die oben genannten Zahlen berücksichtigt. Du könntest weitere 5 € pro Verkauf hinzufügen, um deine Startkosten abzubauen, was zu Gesamtkosten von 135 € pro Artikel führt.
Sobald du die mit einer Bestellung verbundenen Kosten berechnet hast, wende deinen Aufschlag an. Aufschläge, die deinen Gewinn darstellen, liegen typischerweise zwischen 20 % und 100 % der Artikelkosten. Du kannst einen Gewinnmargenrechner verwenden, um deine eigene Gewinnmarge zu bestimmen.
Wenn du unsicher bist, wie viel Gewinnmarge du für deine Produkte verwenden solltest, kannst du deine Marktforschung nutzen, um einen anfänglichen Aufschlagprozentsatz auszuwählen, der deine Preise an die Preisniveaus der Wettbewerber:innen anpasst – wenn ein 20 %iger Aufschlag bedeutet, dass deine Produkte 40 % günstiger sind als die Angebote der Wettbewerber:innen, kannst du wahrscheinlich mehr verlangen.
Wenn deine Preise am oberen Ende liegen, widerstehe dem Drang, deinen Aufschlag unter 20 % zu senken. Wenn du das tust, riskierst du, Verluste bei deinen Bestellungen zu machen. Möglicherweise verwendest du hochwertigere Materialien oder führst komplexere Muster aus als deine Konkurrent:innen, was zu einem teureren Endprodukt führt. Suche nach anderen Unternehmen, die ähnliche Preise für vergleichbare Projekte verlangen, um sicherzustellen, dass du auf dem richtigen Weg bist.
8. Gründe dein Unternehmen
Der nächste Schritt, wie du ein Häkelgeschäft startest, besteht darin, dein Unternehmen zu gründen, was die Auswahl einer Unternehmensstruktur und die Eröffnung eines Geschäftskontos umfasst. In einigen Fällen musst du möglicherweise auch eine Geschäftslizenz beantragen bzw. dein Gewerbe anmelden.
Wenn du dein Unternehmen als Einzelunternehmen gründest, kannst du als Kleingewerbe oder Freiberufler:in beginnen. Denke dabei aber unbedingt daran, größere Risiken abzusichern, da du bei diesen Unternehmensformen persönlich haftbar bist.
9. Kaufe Materialien und stelle Produkte her
Sobald du dein Unternehmen gegründet hast, bist du bereit, Materialien zu kaufen und mit der Produktion zu beginnen. Wenn du planst, auf Bestellung gefertigte Häkelartikel zu verkaufen, musst du dir keine Gedanken über die Einrichtung eines Lagers machen. Stattdessen kannst du dich darauf konzentrieren, Musterstücke zu erstellen, die du in deinem Onlineshop präsentieren kannst. Wenn du planst, Artikel persönlich zu verkaufen oder mit größeren Bestellmengen rechnest, kannst du entscheiden, den Start zu verschieben, bis du genügend Lagerbestand aufgebaut hast, um deine geschätzten frühen Bestellungen zu erfüllen.
In diesem Video (auf Englisch) zeigen wir dir, wie du deinen Onlineshop mit Shopify starten kannst:
10. Richte deinen Onlineshop ein
Sobald du deine Produktlinie erstellt hast, kannst du deine Produkte fotografieren, deine eigene Website und deinen Onlineshop erstellen, deine Artikel auflisten und mit dem Verkauf beginnen. Die Nutzung einer E-Commerce-Plattform kann es dir erleichtern, deinen Onlineshop zu gestalten und mehrere Zahlungsmethoden zu akzeptieren.
Fazit
Ein Häkelgeschäft zu starten erfordert mehr als Kreativität und handwerkliches Können. Entscheidend ist, dass du von Anfang an strukturiert vorgehst und dein Vorhaben als unternehmerisches Projekt verstehst. Eine klare Produktlinie, fundierte Marktkenntnisse, realistische Preise und rechtliche Grundlagen bilden das Fundament für ein tragfähiges Häkelbusiness. Wenn du deine Zielgruppe kennst, deine Kosten im Blick behältst und passende Verkaufs- und Marketingkanäle wählst, schaffst du die Voraussetzungen, um dein Häkelgeschäft nachhaltig aufzubauen und weiterzuentwickeln.





