Markenrichtlinien – auch Markenhandbuch oder Marken-Styleguide genannt – bündeln alle Vorgaben, die festlegen, wie deine Marke aussieht, klingt und kommuniziert. Sie sind das operative Werkzeug hinter deiner Markenidentität und sorgen dafür, dass jedes Produkt, jede Markenpräsentation und jedes Stück Kommunikation stimmig und konsistent wirkt.
„Es schafft Vertrauen bei deinen Kund:innen, wenn sie das Gefühl haben, dass du einen klaren, konsistenten Standpunkt hast“, sagt Ky Allport, Creative Director der Branding-Agentur Outline. In diesem Artikel erfährst du, wie du Markenrichtlinien erstellst und wie sie dir helfen, deine Marke über alle Kanäle hinweg verlässlich zu führen. Außerdem zeigen wir dir konkrete Beispiele aus der Praxis, die den Aufbau und die Umsetzung eines Markenhandbuchs veranschaulichen.
Was sind Markenrichtlinien?
Markenrichtlinien sind verbindliche Regeln für das visuelle und sprachliche Auftreten deiner Marke. Sie definieren Logo, Farben, Typografie sowie Stimme und Ton – und sorgen so für einen konsistenten Markenauftritt über alle Kanäle hinweg.
Warum sind Markenrichtlinien wichtig?
Markenkonsistenz ist kein Detail, sondern ein strategischer Faktor. Gerade im E-Commerce entstehen zahlreiche Berührungspunkte mit Kund:innen: Website, Produktseiten, E-Mail-Marketing, Marktplätze, Ads oder Kundenservice. Wenn Gestaltung und Tonalität variieren, wirkt deine Marke beliebig.
„Du schaffst eine erkennbare Umgebung, sodass sich Käufer:innen sicher fühlen und Teil einer Gemeinschaft werden“, erklärt Margaret Pilarski, Leiterin der Strategie bei Outline.
Ein strukturiertes Markenhandbuch hilft dir dabei:
- Vertrauen aufzubauen
- Wiedererkennungswert zu steigern
- interne Prozesse zu vereinfachen
- externe Partner:innen effizient einzubinden
- Design- und Content-Entscheidungen zu beschleunigen
Markenrichtlinien sind dabei kein starres Regelwerk. Sie geben Orientierung, ohne Innovation zu blockieren.
Markenrichtlinien vs. Markenidentität
Die Begriffe werden häufig synonym verwendet, beschreiben aber unterschiedliche Ebenen.
Die Markenidentität beantwortet strategische Fragen wie:
- Wofür steht deine Marke?
- Welche Werte vertritt sie?
- Welche Emotionen soll sie auslösen?
Während sie also beschreibt, wofür dein Unternehmen steht und welche Werte es vertritt, legen Markenrichtlinien konkret fest, wie diese Identität im Alltag umgesetzt wird – im Onlineshop, im Newsletter, auf Social Media, in verschiedenen Medien, in Kampagnen und in allen Inhalten, die Kund:innen von dir sehen. Margaret beschreibt es so: "Das Markenhandbuch ist die Roadmap, die zeigt, wie sich die Identität in der Welt präsentiert."
Warum Markenrichtlinien erstellen?
Du gestaltest (oder überarbeitest) deine Website
Für E-Commerce-Unternehmen ist die Website zentraler Markenberührungspunkt. Bevor du mit dem Design beginnst, sollten deine Markenrichtlinien stehen.
„Viele Kund:innen wenden sich an uns und denken, dass sie nur ein Webdesign benötigen, und wir beginnen tatsächlich damit, ihre Markenfundamente zu evaluieren und stellen fest, dass sie kein vollständiges Toolset für ihre Marke haben“, sagt Ky. „Wenn du das nicht von Anfang an festgelegt hast, kann die Website nicht optimal wirken.“
Klare Vorgaben zu Farben, Typografie, Bildwelt und Tonalität erleichtern die Gestaltung deines Onlineshops erheblich und sorgen für ein stimmiges Gesamtbild.
Du arbeitest mit externen Partner:innen, wie einer Agentur oder Freiberufler:innen
Sobald du mit Agenturen oder Freelancern zusammenarbeitest, wird ein Marken Styleguide unverzichtbar.
„Jedes Team, das im Namen der Marke kommuniziert oder zusätzliche Assets erstellt, muss wissen, was die grundlegenden [Marken]fundamente sind, sowohl aus visueller als auch aus verbaler Perspektive“, sagt Ky.
Eine Texter:in braucht Informationen zur Markenstimme und Zielgruppe. Eine Grafikdesigner:in benötigt klare Vorgaben zu Farben, Logos und Layout. Ohne dokumentierte Richtlinien entstehen schnell Inkonsistenzen.
In manchen Fällen verlangen externe Partner:innen sogar ein Markenhandbuch als Grundlage für die Zusammenarbeit.
Du stellst neue Mitarbeitende ein
Markenrichtlinien erleichtern die Einarbeitung neuer Teammitglieder erheblich. Statt informeller Übergaben steht ein strukturiertes Dokument zur Verfügung.
Gerade im Kundenservice ist das relevant: Der Tonfall, die Wortwahl und der Umgang mit Feedback sollten klar definiert sein. So sprechen alle Mitarbeitenden im Namen deines Unternehmens konsistent und professionell.
Andere verwenden dein Logo oder andere Markenassets
Sobald Partnerunternehmen, Sponsor:innen oder Submarken dein Logo verwenden, brauchst du klare Nutzungsregeln.
Viele größere Marken veröffentlichen ihre Logo-Guidelines öffentlich, um Fehlverwendungen zu vermeiden. Auch die Richtlinien von Shopify enthalten detaillierte Anweisungen zur Nutzung des Logos und weiterer Markenelemente. Solche Vorgaben helfen sicherzustellen, dass deine Marke überall korrekt dargestellt wird.
Shopifys Markenrichtlinien (auf Englisch) enthalten Anweisungen zur Verwendung ihres Logos.
Elemente eines Markenhandbuchs
Jedes Markenhandbuch ist ein wenig anders, aber die meisten enthalten Abschnitte für diese Elemente:
Logos
Dein Logo ist das sichtbarste Element deiner Marke. Deshalb sollte dein Marken-Styleguide
klar definieren:
- Primärlogo und Alternativversionen
- Icon- oder Bildmarken
- Mindestgrößen
- Schutzräume (Freiraum um das Logo)
- Farbvarianten
- Beispiele für unzulässige Anwendungen
Ein häufiger Fehler: Logos werden verzerrt, falsch eingefärbt oder ohne ausreichenden Abstand platziert. Konkrete Negativbeispiele im Markenhandbuch verhindern das.
Typografie
Typografie wirkt subtil, aber stark. Sie beeinflusst Lesbarkeit, Professionalität und Markencharakter.
Lege fest:
- Hauptschrift für Überschriften
- unterstützende Schrift für Fließtext
- Hierarchien (H1, H2, H3)
- Abstände und Auszeichnungen
- digitale und ggf. Print-Anwendungen
Zum Beispiel hat Heyday Sans, die benutzerdefinierte Schriftart, die Outline für Heyday Canning Co. erstellt hat, zwei Breiten, die gemischt und kombiniert werden können.
Quelle: Outline und Heyday Canning Co.
Farbpalette
Farben transportieren Emotionen und beeinflussen Kaufentscheidungen. Gerade im E-Commerce prägen sie die Wahrnehmung deines Onlineshops. Definiere:
- Primärfarbe
- Sekundärfarben
- Akzentfarben
- Hex-, RGB- und CMYK-Codes
- Regeln für Farbkombinationen
Ein konsistentes Farbschema kann die Kund:innen sofort in deiner Markenwelt orientieren. Für Heyday Canning Co. hat Outline Farben ausgewählt, die „so wirken, als könnten sie aus der natürlichen Umgebung stammen, also nichts, das künstlich wirkt“, sagt Ky.
Quelle: Outline und Heyday Canning Co.
Bildsprache
Fotografie, Illustrationen und Icons formen die visuelle Welt deiner Marke. Dein Markenhandbuch sollte beschreiben:
- Stil der Produktfotografie
- Licht, Farbtemperatur und Perspektive
- Bildkomposition
- Einsatz von Illustrationen
- Ikonografie-System
Wenn deine Marke minimalistisch ist, sollten Bilder nicht überladen wirken. Wenn sie lebendig und expressiv ist, darf die Bildsprache mutiger sein.
Zielgruppe
Markenrichtlinien sind nicht nur Design-Dokumente, sondern strategische Leitfäden. Deine Zielgruppe wird bestimmen, welche Art von Inhalten du erstellst und wie du sie präsentierst. Definiere klar:
- Kernzielgruppe
- Werte und Lebensstil
- Bedürfnisse und Pain Points
- Kaufmotive
„Sei sehr klar darin, mit wem du sprichst“, betont Ky. „Du wirst mehr Erfolg mit deinen wahren Markenheld:innen haben, als wenn du versuchst, alle anzusprechen.“
Stimme und Ton
Die Markenstimme bleibt konstant. Der Ton passt sich der Situation an. Definiere:
- 3–4 zentrale Eigenschaften deiner Stimme
- Dos und Don’ts
- Beispieltexte für verschiedene Kontexte
Margaret bringt es auf den Punkt: „Deine Stimme ist konstant. Der Ton ist, wie sich diese Stimme an verschiedene Situationen anpasst.“
Grammatik- und Stilrichtlinien
Kleine Details entscheiden über Professionalität. Lege fest:
- Du oder Sie?
- Genderregeln
- bevorzugte Schreibweisen
- verbotene Begriffe
- Struktur von Produktnamen
Inkonsistente Sprache wirkt unstrukturiert – besonders bei wachsenden Teams.
Wie erstelle ich ein Markenhandbuch?
- Definiere dein Markenfundament
- Erstelle ein Moodboard
- Schärfe deine Markenpersönlichkeit
- Erstelle wichtige Markenassets
- Setze Nutzungsrichtlinien fest
1. Definiere dein Markenfundament
Bevor du mit Logos, Farben oder Schriften arbeitest, brauchst du strategische Klarheit. Dein Markenfundament bildet die Basis für alle späteren Entscheidungen im Markenstilhandbuch.
Beantworte zentrale Fragen:
- Wofür steht dein Unternehmen?
- Welches Problem löst dein Produkt?
- Welche Werte vertritt deine Marke?
- Wie möchtest du wahrgenommen werden?
- Was unterscheidet dich vom Wettbewerb?
Formuliere Mission, Vision und Positionierung möglichst konkret. Gerade im E-Commerce beeinflusst diese Klarheit nicht nur dein Design, sondern auch deine Produkttexte, Kampagnen und Kundenkommunikation.
Ohne ein solides Fundament bleiben Markenrichtlinien rein visuell. Sie sehen vielleicht gut aus, transportieren aber keine klare Haltung.
Quelle: Shopify-Vorlage für Markenrichtlinien
2. Erstelle ein Moodboard
Im nächsten Schritt übersetzt du deine strategischen Überlegungen in visuelle und sprachliche Richtungen.
Sammle Referenzen zu:
- Farben
- Layouts
- Schriftstilen
- Bildwelten
- Tonalität
Ein Moodboard hilft dir, ein gemeinsames Verständnis im Team zu schaffen. Es kann digital (z. B. als Präsentation oder Board) oder physisch erstellt werden.
Wichtig ist auch eine „No-Go“-Sammlung. Dokumentiere bewusst, was nicht zu deiner Marke passt – beispielsweise grelle Neonfarben, verspielte Schriften oder eine übermäßig formelle Sprache. Diese Abgrenzung schärft dein Profil und verhindert Fehlentwicklungen.
3. Schärfe deine Markenpersönlichkeit
„Das eine, wonach wir immer suchen, ist: Hat die Marke einen klaren Standpunkt?“, sagt Ky Allport. Dieser Standpunkt sollte sich sowohl im Design als auch in deiner Sprache widerspiegeln.
Definiere deine Markenpersönlichkeit anhand von drei bis fünf Adjektiven, etwa:
- nahbar
- innovativ
- mutig
- sachlich
- inspirierend
Beschreibe anschließend konkret, wie sich diese Eigenschaften zeigen. Eine „mutige“ Marke arbeitet vielleicht mit starken Kontrasten und klarer Sprache. Eine „nahbare“ Marke setzt auf persönliche Ansprache und warme Bildwelten.
Je klarer du diese Persönlichkeit formulierst, desto leichter fällt es dir später, konsistente Inhalte zu entwickeln.
4. Erstelle wichtige Markenassets
Erst jetzt entwickelst du die konkreten Markenelemente.
Dazu gehören:
- ein flexibles Logo-System mit Haupt- und Nebenvarianten
- eine definierte Farbpalette mit klarer Hierarchie
- ein Typografie-Set für Überschriften, Fließtext und digitale Anwendungen
- ein konsistenter Bildstil für Produkt- und Lifestyle-Fotografie
Achte darauf, dass alle Elemente zusammenarbeiten und eine visuelle Einheit bilden. Eine moderne Schrift sollte beispielsweise mit einer zeitgemäßen Farbwelt harmonieren. Ein minimalistisches Logo wirkt inkonsistent, wenn es mit überladenen Layouts kombiniert wird.
5. Setze Nutzungsrichtlinien fest
Ein Markenstilhandbuch ist kein reines Präsentationsdokument, sondern ein Arbeitswerkzeug.
Deshalb sollte es:
- klare Anwendungsbeispiele enthalten
- richtige und falsche Verwendungen zeigen
- visuelle Beispiele integrieren
- verständlich und praxisnah formuliert sein
- regelmäßig überprüft und aktualisiert werden
Definiere beispielsweise:
- Wann welches Logo eingesetzt wird
- Welche Farben dominieren und welche nur als Akzent dienen
- Wie Überschriften und Fließtexte strukturiert sind
- Wie deine Marke in unterschiedlichen Kontexten spricht
Je konkreter deine Regeln sind, desto leichter können Teams und Partner:innen sie umsetzen. Gleichzeitig solltest du genug Spielraum lassen, damit Kampagnen und Inhalte kreativ weiterentwickelt werden können.
Beispiele für Markenhandbücher
Quelle: NASA über Internet Archive
NASA
Im Jahr 1976 veröffentlichte die National Aeronautics and Space Administration (NASA) ein neues Logo zusammen mit einem 60-seitigen Handbuch (auf Englisch), das detailliert beschreibt, wie das Logo auf alles von Briefpapier bis hin zu Fahrzeugen verwendet werden soll.
Es enthält auch die Marken-Schriftarten der NASA (Helvetica, Futura, Garamond und Times Roman) und die Absicht hinter jeder. Zum Beispiel: „Die präzisen Buchstabenformen [von Futura] haben einen technologischen Charakter und machen sie zu einer natürlichen Wahl für bestimmte NASA-Projekte.“
Dein Markenhandbuch wird vielleicht nicht so lang sein wie das der NASA und wahrscheinlich keine Spezifikationen zur Verwendung deines Logos auf Raumfahrzeugen enthalten, aber es ist dennoch ein klassisches Beispiel für ein Markenhandbuch. „Die NASA wird irgendwie verehrt“, sagt Ky.
Quelle: Slack
Slack
Anstelle eines physischen oder PDF-Markenhandbuchs hat das Communications-Software-Unternehmen Slack ein Medienkit (auf Englisch) mit separaten Webseiten für Markenwerte, Farben, Typografie, Schreiben, Markenformen, Emojis, Illustrationen, Fotografie, Icons, Benutzeroberfläche (UI) und Werbeartikel.
Insbesondere der Abschnitt zur Typografie ist ein großartiges Beispiel dafür, wie man die Typografie-Hierarchie kommuniziert. Slack verwendet eine Schriftart für Überschriften und eine andere für Fließtext, und sein Markenbereich veranschaulicht klar, wie diese beiden Schriftarten in verschiedenen Situationen verwendet werden sollen.
Quelle: Outline und Heyday Canning Co.
Heyday Canning Co.
Das 23-seitige Markenhandbuch, das Outline für Heyday erstellt hat, enthält Richtlinien zur Verwendung des Heyday-Wortzeichens und -Emblems sowie Beispiele dafür, welche Schriftarten für Überschriften, Zitate und kleine Daten verwendet werden sollen. Es gibt auch eine Seite mit Beispielen für nicht genehmigte Verwendungen und eine Erklärung, was an jedem Beispiel falsch ist. Wenn du nicht genehmigte Verwendungen einfügen möchtest, mache es klar, indem du ein X-Zeichen (oder einen anderen visuellen Indikator) hinzufügst.
Omsom
Für Margaret und Ky war es wichtig, dass das für Omsom erstellte Markenhandbuch, an sich schon ein gebrandetes Dokument war.
„Die Markenrichtlinien von Omsom konnten nur Omsoms sein“, sagt Margaret über das 41-seitige Handbuch, das Outline 2020 für die asiatische Saucenmarke erstellt hat. „Sie sehen so aus, als hätte Omsom sie in der Omsom-Welt erstellt.“
Das Wortzeichen von Omsom soll Flammen hervorrufen und physischen Raum einnehmen, genau wie die Markenstimme feurig und stolz ist. „Wir wollten das Konzept der Marke in ihren visuellen Elementen widerspiegeln und das dann in den Markenrichtlinien wiederholen, denn du könntest das vielleicht nicht wissen, auch wenn du es fühlen könntest“, sagt Margaret.
Das Markenhandbuch hebt hervor, wie scheinbar kleine Entscheidungen alle dazu dienen, die Markenstory von Omsom auszudrücken. Beispielsweise beinhalten die Richtlinien für den Freiraum: „Das Logomark sollte engen Freiraum beibehalten, um seine maximalistische Persönlichkeit konsistent zu vermitteln.“
Erklärungen wie diese in deinem Markenhandbuch aufzunehmen, wird helfen, die Zustimmung deines Teams und externer Partner zu gewinnen.
Fazit
Ein durchdachtes Markenstilhandbuch sorgt dafür, dass alle Markenelemente deines Unternehmens klar definiert und konsistent eingesetzt werden – vom Logo über die Farbwelt bis hin zur Tonalität in deinen Inhalten. Es schafft Orientierung für interne Teams und externe Partner:innen und reduziert Abstimmungsaufwand im Alltag.
Wenn Gestaltung, Sprache und Markenpräsentation strategisch aufeinander abgestimmt sind, wirkt sich das direkt auf das Ergebnis deiner Maßnahmen aus: Kampagnen werden klarer, Inhalte stringenter und deine Marke insgesamt professioneller wahrgenommen. Das stärkt nicht nur das Vertrauen von Kund:innen, sondern kann sich langfristig auch positiv auf deine Performance auswirken.





